Rost ist nicht gleich Rost – was normal ist und was wirklich problematisch wird

Viele Kunden erwarten, dass neuer Stahl vollkommen rostfrei geliefert wird. Das klingt nachvollziehbar, ist technisch jedoch falsch.
Stahl ist ein offenes Material. Entscheidend ist nicht, ob Rost vorhanden ist, sondern welche Art von Rost und für welchen Einsatzzweck.

Dieser Beitrag schafft Klarheit und räumt mit typischen Missverständnissen auf.


Flugrost – optisch unschön, technisch meist unkritisch

Flugrost zeigt sich als dünner, oberflächlicher Rostfilm. Er entsteht durch Feuchtigkeit, Kondenswasser oder Transport – teilweise schon kurz nach der Produktion.

Wichtig:
Flugrost greift das Material in der Regel nicht tief an. Der Querschnitt bleibt erhalten, die Festigkeit wird nicht beeinträchtigt. Für viele Anwendungen ist Flugrost daher vollkommen unkritisch.


Porenrost – hier wird es relevant

Porenrost geht tiefer als Flugrost. Er setzt sich in die Oberfläche und kann langfristig Materialsubstanz angreifen.

Bei tragenden Bauteilen oder bei Anwendungen mit hohen optischen Anforderungen sollte Porenrost nicht ignoriert werden. Hier ist eine fachliche Bewertung sinnvoll, um spätere Probleme zu vermeiden.


Zunder bei gewalzten Profilen – werksüblich und normal

Warmgewalzte Profile, insbesondere Stahlträger, werden ab Werk mit Zunder ausgeliefert.
Zunder entsteht beim Walzprozess unter hoher Temperatur und ist kein Mangel, sondern Stand der Technik.

Zu beachten ist:
Zunder kann Rost anziehen, vor allem wenn er beschädigt oder teilweise abgeplatzt ist. Das kann optisch auffällig wirken, ist bei Trägern jedoch völlig normal und technisch unproblematisch.


Blank gezogene Profile – Rost ist hier problematisch

Bei blanken, gezogenen oder geschliffenen Profilen ist Rost nicht vorgesehen.
Schon leichter Rost kann die Oberfläche dauerhaft beeinträchtigen und führt oft zu zusätzlicher Nacharbeit.

Kurz gesagt:
Blanker Stahl + Rost = Handlungsbedarf.


Betonstahl – Rost fast schon Pflicht

Betonstahl ist ein Sonderfall. Eine leicht angerostete Oberfläche ist hier sogar erwünscht.

Der Rost verbessert die Haftung zwischen Stahl und Beton. Glatter, vollkommen blanker Betonstahl wäre aus technischer Sicht eher nachteilig.

Dieses Beispiel zeigt deutlich: Rost ist nicht automatisch schlecht – manchmal ist er funktional notwendig.


Warum neuer Stahl rosten darf

Unbehandelter Stahl ist grundsätzlich rostfähig.
Eine dauerhaft rostfreie Oberfläche ist nur durch Beschichtungen wie Verzinkung, Lackierung oder Ölung möglich.

Wer bei unbehandeltem Baustahl eine absolut rostfreie Oberfläche erwartet, erwartet faktisch ein veredeltes Produkt – auch wenn „normaler Stahl“ bestellt wurde.


Fazit: Der Einsatzzweck entscheidet

Rost ist kein pauschales Qualitätsurteil.

  • Bei gewalzten Profilen und Trägern ist Rost bzw. Zunder normal
  • Bei Betonstahl ist Rost sinnvoll
  • Bei blanken Sichtprofilen ist Rost problematisch

Entscheidend ist nicht die Optik bei Lieferung, sondern die Frage:
Passt der Zustand des Stahls zur geplanten Anwendung?

Genau darauf kommt es an.

Christian Heinrich Verfasst von:

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